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Asthma ist eine häufige chronisch-entzündliche Erkrankung der Atemwege. Laut der größten Bevölkerungsstudie Österreichs, der LEAD-Study, leiden 4,6 Prozent der Bevölkerung an Asthma. Damit ist ungefähr jeder 20. Mensch in Österreich betroffen. Dabei sind alle Altersgruppen betroffen, häufig beginnt die Erkrankung jedoch bereits im Kindes- oder Jugendalter. Im Erwachsenenalter sind Frauen häufiger betroffen als Männer. Bei Kindern ist die Krankheit die häufigste chronische Erkrankung. Der folgende Beitrag klärt über alle relevanten Fragen rund um die Asthma-Erkrankung auf.
Das Wichtigste zu Asthma in Kürze
- Asthma ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung, bei der sich die Atemwege zeitweise verengen und überempfindlich auf verschiedene Reize reagieren.
- Typische Asthma-Symptome sind Husten, Atemnot, Kurzatmigkeit, ein Engegefühl in der Brust und pfeifende Atemgeräusche.
- Die Diagnose stützt sich auf die Krankengeschichte und den objektiven Nachweis einer variablen Lungenfunktion, meist durch Spirometrie und Bronchodilatationstest.
- Die Behandlung erfolgt individuell nach einem Stufenplan und enthält in der Regel inhalative Kortikosteroide. Eine ausschließliche Behandlung mit einem kurzwirksamen Bronchodilatator wird für Erwachsene und Jugendliche nicht empfohlen.
- Bei schwerer Atemnot, Sprechproblemen, Erschöpfung, Bewusstseinstrübung oder unzureichender Wirkung der Notfallmedikation muss in Österreich die Rettung unter 144 verständigt werden.
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Definition und Pathologie
Asthma ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Atemwege, die mit einer variablen, meist zumindest teilweise reversiblen Verengung der Atemwege und einer erhöhten Empfindlichkeit („Hyperreagibilität“) des Bronchialsystems einhergeht. Vereinfacht ausgedrückt setzt bei Menschen mit Asthma der Kontakt mit bestimmten Allergenen oder anderen Auslösern eine übersteigerte Abwehrreaktion in Gang, die Atembeschwerden auslösen kann. In der Lunge passiert dabei Folgendes:
- Zellen des Immunsystems in der Bronchialschleimhaut werden aktiviert
- Die Muskulatur um die Atemwege verkrampft sich
- Die Schleimhäute der Atemwege entzünden sich und schwellen an
- Es bildet sich besonders zäher Schleim
Durch die Verkrampfung der Muskulatur, die Schleimhautschwellung und die Schleimbildung verengen sich die Atemwege schließlich mehr und mehr. Bei länger bestehendem Asthma kann es unter Umständen zu einer dauerhaften bronchialen Obstruktion kommen.
Symptome von Asthma
Die Symptome von Asthma können unterschiedlich stark ausgeprägt sein und im zeitlichen Verlauf schwanken. Typisch sind Husten, Atemnot, Kurzatmigkeit, ein Engegefühl in der Brust und pfeifende Geräusche beim Ausatmen. Die Beschwerden treten häufig nachts, frühmorgens, bei körperlicher Belastung oder nach Kontakt mit bestimmten Auslösern auf. Bei manchen Betroffenen kann ein anhaltender Reizhusten das einzige erkennbare Symptom sein.
Was ist ein Asthma-Anfall?
Der „Asthma-Anfall“ ist gekennzeichnet durch eine plötzlich auftretende Atemnot mit dem typischen expiratorischen Giemen („Pfeifen“). Häufig beginnt der Anfall mit einem Hustenreiz und die Patienten verspüren ein Engegefühl in der Brust. Um die Beschwerden zu lindern nehmen viele Betroffene eine sitzende Position ein, in der sie die Arme aufgestützt halten, um die Atemhilfsmuskulatur besser einsetzen zu können, beispielsweise im sogenannten Kutschersitz. Meist sind sie ängstlich und tachykard („Herzrasen“), die Ausatmung ist verlängert.
Bei einem schweren Asthmaanfall können Patienten nur noch einzelne Wörter oder keine vollständigen Sätze mehr sprechen. Bei sehr schwerer Obstruktion kann man auch ein abgeschwächtes Atemgeräusch wahrnehmen („silent chest“); In diesem Fall droht ein lebensgefährlicher Atemstillstand.
Bei schwerer Atemnot, Sprechproblemen, bläulicher Verfärbung der Lippen, zunehmender Erschöpfung, Bewusstseinstrübung oder ausbleibender Wirkung der ärztlich verordneten Notfallmedikation muss sofort medizinische Hilfe gerufen werden. In Österreich ist dafür die Rettung unter 144 erreichbar. Ein schwerer, auf die übliche Behandlung nicht ausreichend ansprechender Asthmaanfall ist ein medizinischer Notfall.
Asthma – Ursachen
Die genauen Ursachen von Asthma sind noch nicht vollständig geklärt. Genetische Veranlagung, allergische Erkrankungen und verschiedene Umweltfaktoren können das Erkrankungsrisiko beeinflussen. Häufig wird zwischen allergischem und nicht allergischem Asthma unterschieden, wobei auch Mischformen vorkommen. Allerdings sind Mischformen häufig und mit steigendem Alter kann es zu einem Übergang von allergischem zu nicht-allergischem Asthma kommen.
Beim exogen-allergischen Asthma (vor allem bei Kindern und Jugendlichen) liegt eine IgE-vermittelte allergische Sofortreaktion mit nachfolgender zellulär vermittelter Spätreaktion vor. Allergene sind beispielsweise Hausstaubmilben, Tierhaare, Schimmelpilze, Blütenpollen und berufsbedingte Noxen (wie Mehlstaub). Patienten mit exogen-allergischem Asthma reagieren jedoch auch häufig auf nicht-allergische Reize (wie Anstrengung, Lachen, Weinen, Zigarettenrauch, Kaltluft, Parfüm). Diese Form der Erkrankung hat eine starke genetische Komponente und tritt gehäuft zusammen mit anderen Erkrankungen, wie zum Beispiel Heuschnupfen oder atopischem Ekzem auf.
Das nicht-allergische Asthma kann von vielen Faktoren ausgelöst werden. Hierzu zählen Virusinfekte der oberen und unteren Atemwege, körperliche Anstrengung, kalte Luft, Stress, Emotionen und Inhalationsnoxen, wie Zigarettenrauch, Ozon, Nitrosegase, Schwefeldioxid, aber auch Parfüme und Metallsalze. Bestimmte Medikamente, insbesondere Acetylsalicylsäure und andere nicht steroidale Antirheumatika, können bei empfindlichen Personen Asthmabeschwerden auslösen oder verstärken. Auch Begleiterkrankungen wie eine chronische Rhinosinusitis oder eine gastroösophageale Refluxkrankheit können die Asthmakontrolle beeinträchtigen.
Asthma bei Kindern und Jugendlichen
Asthma ist bei Kindern und Jugendlichen die häufigste chronische Erkrankung: etwa 4 von 100 Kindern in Österreich sind betroffen. Bei den meisten Kindern treten die ersten Beschwerden bereits vor dem fünften Lebensjahr auf und werden durch eine oft genetisch bedingte Allergie ausgelöst. Bei kleinen Kindern können zusätzlich allergische Erkrankungen wie Neurodermitis auftreten. Asthmabeschwerden zeigen sich unter anderem bei Atemwegsinfekten, während oder nach körperlicher Anstrengung sowie nach Kontakt mit Allergenen. Bei mehr als der Hälfte der Kinder und Jugendlichen mit Asthma werden die Beschwerden schwächer oder verschwinden, wenn sie erwachsen werden. Das bedeutet jedoch nicht in jedem Fall eine dauerhafte Heilung, da Beschwerden später erneut auftreten können.
Wie läuft die Diagnosestellung ab?
Die Diagnose stützt sich auf typische, im Verlauf wechselnde Atemwegsbeschwerden und den objektiven Nachweis einer variablen Lungenfunktion. Gleichzeitig müssen andere mögliche Ursachen der Beschwerden berücksichtigt werden.
Zunächst wird eine sorgfältige Anamnese erhoben. Dabei sollten die Symptome und ihre zeitlichen Charakteristika, mögliche Auslöser, eventuell bereits erfolgte Vorbehandlungen, die derzeitige Therapie und eventuelle Begleiterkrankungen geklärt werden. Bei einer Lungenfunktionsuntersuchung wird anschließend der Nachweis einer manifesten Obstruktion erbracht.
Bei nachgewiesener Verengung kann ein Bronchodilatationstest zeigen, ob sich die Lungenfunktion nach Gabe eines bronchienerweiternden Medikaments verbessert. Ein unauffälliges oder nicht eindeutig reversibles Ergebnis schließt Asthma jedoch nicht aus und beweist auch keine COPD. Je nach Befund können wiederholte Messungen, Peak-Flow-Protokolle oder Provokationstests erforderlich sein.
Bei Verdacht auf allergisches Asthma können spezifische IgE-Werte, eosinophile Granulozyten und Allergietests wie der Pricktest weitere Hinweise liefern. Diese Untersuchungen ergänzen die Diagnostik, ersetzen aber nicht den objektiven Nachweis einer variablen Lungenfunktion.
Bei einem akuten Asthmaanfall können Haltung, Atemnot und pfeifende Atemgeräusche auf eine Exazerbation hinweisen. Entscheidend sind die rasche Einschätzung des Schweregrades und die Behandlung des Notfalls. Anschließend sollte geklärt werden, welche Faktoren den Anfall ausgelöst oder begünstigt haben.
Begleiterkrankungen
Bei Patienten mit Asthma bronchiale kommt eine Reihe von Begleiterkrankungen häufiger vor als in der übrigen Bevölkerung. Dazu zählen beispielsweise Rhinitis und Rhinosinusitis, Adipositas, Schlafstörungen, Gastrooesophageale Refluxkrankheit (GERD), COPD, sowie psychische Erkrankungen. Solche Begleiterkrankungen können die Beschwerden, die Lebensqualität und die Asthmakontrolle beeinträchtigen und sollten daher bei der Behandlung berücksichtigt werden.
Asthma – Behandlung
Nicht adäquat behandeltes Asthma kann die Lebensqualität erheblich einschränken und zu dauerhaften Veränderungen der Atemwege beitragen. Die Behandlung wird individuell an Beschwerden, Asthmakontrolle, Risikofaktoren und Lungenfunktion angepasst und erfolgt üblicherweise nach einem Stufenplan.
Die wichtigste Grundlage der medikamentösen Behandlung sind inhalative Kortikosteroide, kurz ICS. Sie wirken gegen die chronische Entzündung der Atemwege und senken das Risiko schwerer Asthmaanfälle. Abhängig von der Therapiestufe können sie allein oder zusammen mit langwirksamen bronchienerweiternden Wirkstoffen eingesetzt werden.
Bedarfsmedikamente lindern akute Beschwerden. Bei Erwachsenen und Jugendlichen wird nach aktuellen internationalen Empfehlungen bevorzugt eine niedrig dosierte Kombination aus einem inhalativen Kortikosteroid und Formoterol verwendet. Eine ausschließliche Bedarfstherapie mit einem kurzwirksamen Beta-2-Sympathomimetikum wie Salbutamol wird nicht empfohlen, da sie die zugrunde liegende Entzündung nicht behandelt. Welche Inhalationstherapie geeignet ist, muss ärztlich festgelegt werden.
Zur Behandlung gehören außerdem die Kontrolle der Inhalationstechnik, regelmäßige ärztliche Untersuchungen, ein schriftlicher Asthma-Aktionsplan und bei Bedarf eine Asthmaschulung.
Prognose
Asthma ist derzeit nicht heilbar, lässt sich aber bei den meisten Betroffenen gut kontrollieren. Bei Kindern und Jugendlichen können die Beschwerden im Erwachsenenalter schwächer werden oder zeitweise verschwinden. Eine Remission ist jedoch nicht mit einer sicheren dauerhaften Heilung gleichzusetzen. Eine konsequente, individuell angepasste Behandlung kann Beschwerden und Asthmaanfälle deutlich reduzieren und trägt dazu bei, dauerhafte Schäden an den Atemwegen zu vermeiden.
Prävention
Ob sich die Entstehung von Asthma vollständig verhindern lässt, ist nicht eindeutig geklärt. Asthmaanfällen und einer Verschlechterung der Erkrankung lässt sich jedoch durch eine konsequente, ärztlich abgestimmte Behandlung vorbeugen. Daneben kann man versuchen, Asthma-Auslöser zu vermeiden, wenn bekannt ist, welche Stoffe besonders problematisch sind. Besonders wichtig sind der Verzicht auf Tabak- und Nikotinprodukte sowie die Vermeidung von Passivrauch.
Bewegung und Sport sind für die meisten Menschen mit Asthma wichtig, denn regelmäßige körperliche Aktivität kann die Leistungsfähigkeit und Lebensqualität verbessern. Die Belastung sollte an den individuellen Gesundheitszustand angepasst werden. Das verordnete Bedarfsmedikament sollte beim Sport griffbereit sein.
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Häufige Fragen zu Asthma
- Was ist Asthma einfach erklärt?
- Welche Symptome sind typisch für Asthma?
- Was ist bei einem Asthmaanfall in Österreich zu tun?
- Ist Asthma heilbar?
Asthma ist eine chronische Entzündung der Atemwege. Die Bronchien reagieren überempfindlich auf Auslöser wie Pollen, Infekte, Tabakrauch, kalte Luft oder körperliche Belastung. Dadurch können sie sich verengen, anschwellen und vermehrt Schleim bilden.
Typische Asthma-Symptome sind anfallsartige Atemnot, Husten, Kurzatmigkeit, ein Engegefühl in der Brust und pfeifende Geräusche beim Ausatmen. Häufig treten die Beschwerden nachts, am frühen Morgen, bei körperlicher Belastung oder nach Kontakt mit bestimmten Auslösern auf.
Betroffene sollten Ruhe bewahren, eine atemerleichternde Haltung einnehmen und die verordnete Notfallmedikation entsprechend ihrem Asthma-Aktionsplan anwenden. Bei starker oder zunehmender Atemnot, Sprechproblemen, Erschöpfung, Bewusstseinstrübung oder unzureichender Wirkung des Medikaments muss sofort die Rettung unter 144 verständigt werden.
Asthma ist derzeit nicht heilbar, lässt sich aber meist gut behandeln. Mit einer individuell abgestimmten, ICS-haltigen Inhalationstherapie, einer korrekten Inhalationstechnik und regelmäßigen Kontrollen können viele Betroffene weitgehend beschwerdefrei leben. Medikamente sollten nicht ohne ärztliche Rücksprache abgesetzt werden.
- H. Renz-Polster, S. Krautzig u. J. Braun. 2006. Basislehrbuch Innere Medizin. Urban & Fischer, pp. 448 ff
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