Die Zeitarbeit ist in Österreich gesetzlich geregelt. Grundlage ist das Arbeitskräfteüberlassungsgesetz (AÜG), das Rechte und Pflichten von Personaldienstleistern, Einsatzbetrieben und Zeitarbeitskräften festlegt. Es sorgt dafür, dass Zeitarbeitnehmer in wichtigen Bereichen wie Arbeitszeit, Urlaub, Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall und Gleichbehandlung ähnlich geschützt sind wie Beschäftigte im Einsatzbetrieb. Auch bei der Bezahlung gelten klare Regeln. Zeitarbeitskräfte müssen mindestens das kollektivvertragliche Mindestentgelt erhalten. Greift im Einsatzbetrieb ein höherer Kollektivvertrag, gilt das Günstigkeitsprinzip, sodass das höhere Gehalt bezahlt werden muss.
Inhaltsverzeichnis
Zeitarbeit in der Pflege hat in Österreich in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Der Pflegebereich steht unter starkem Druck: Fachkräftemangel, steigende Anforderungen und eine hohe Arbeitsbelastung prägen den Arbeitsalltag vieler Pflegekräfte und Einrichtungen. Während Zeitarbeit für Pflegeeinrichtungen eine Möglichkeit darstellt, kurzfristige Personalengpässe zu überbrücken, bietet sie Pflegekräften häufig flexiblere Arbeitsbedingungen und neue berufliche Perspektiven. Dieser Artikel zeigt, wie Zeitarbeit in der Pflege in Österreich funktioniert, welche Gründe hinter ihrer wachsenden Bedeutung stehen und welche Vorteile sowie Nachteile damit verbunden sind.
Das Wichtigste in Kürze
- Zeitarbeit bedeutet, dass Pflegekräfte über einen Personaldienstleister in verschiedenen Einrichtungen eingesetzt werden.
- Rechtliche Grundlage ist das Arbeitskräfteüberlassungsgesetz (AÜG).
- Zeitarbeit hilft Pflegeeinrichtungen, kurzfristige Personalengpässe zu überbrücken.
- Pflegekräfte profitieren häufig von mehr Flexibilität bei Arbeitszeiten und Einsatzorten.
Inhaltsverzeichnis
Was ist Zeitarbeit in der Pflege?
Zeitarbeit, auch als Arbeitnehmerüberlassung bezeichnet, ist ein Arbeitsmodell, bei dem Pflegekräfte bei einem Personaldienstleister angestellt sind und zeitweise in unterschiedlichen Einrichtungen eingesetzt werden. Dazu zählen beispielsweise Krankenhäuser, Pflegeheime oder mobile Pflegedienste. Der Arbeitsvertrag wird direkt mit dem Dienstleister geschlossen, während die Einsätze in den jeweiligen Einrichtungen in der Regel zeitlich begrenzt sind.
Zeitarbeit, Leiharbeit oder Arbeitskräfteüberlassung?
Die Begriffe Zeitarbeit, Leiharbeit und Arbeitskräfteüberlassung werden im Alltag häufig synonym verwendet. Inhaltlich beschreiben sie dieselbe Beschäftigungsform. Der rechtliche Begriff in Österreich lautet Arbeitskräfteüberlassung. Dabei handelt es sich um ein Modell, bei dem Arbeitnehmer bei einem Personaldienstleister angestellt sind und zeitlich befristet in einem anderen Betrieb arbeiten. Zeitarbeit ist somit lediglich der gebräuchlichere Begriff im allgemeinen Sprachgebrauch.
Warum ist Zeitarbeit weit verbreitet?
Ein zentraler Grund für die zunehmende Verbreitung von Zeitarbeit in der Pflege ist der Fachkräftemangel im Gesundheits- und Pflegebereich. Viele Einrichtungen haben Schwierigkeiten, offene Stellen dauerhaft zu besetzen und greifen deshalb auf Zeitarbeitskräfte zurück, um kurzfristige Personallücken zu schließen.
Auch unvorhergesehene Ausfälle durch Krankheit, Urlaub, Schwangerschaft oder Kündigungen führen dazu, dass Einrichtungen flexibel auf zusätzliche Pflegekräfte angewiesen sind. Zeitarbeit ermöglicht es, schnell auf solche Situationen zu reagieren.
Darüber hinaus entscheiden sich manche Pflegekräfte bewusst für Zeitarbeit. Ein hoher Arbeitsdruck, Überstunden oder unregelmäßige Dienstpläne führen dazu, dass einige Beschäftigte nach flexibleren Arbeitsmodellen suchen.
Zeitarbeit in der Pflege – Vorteile
Zeitarbeit bietet Pflegekräften in Österreich mehrere Vorteile, insbesondere wenn sie sich mehr Flexibilität oder neue berufliche Möglichkeiten wünschen.
Schnelle Einstiegsmöglichkeiten
Ein wichtiger Aspekt sind die vergleichsweise schnellen Einstiegsmöglichkeiten. Während klassische Bewerbungsverfahren in Einrichtungen oft längere Zeit dauern können, ermöglichen Personaldienstleister häufig einen rascheren Zugang zu offenen Stellen. Dadurch können Pflegekräfte schneller in den Beruf einsteigen oder nach einer Pause wieder ins Arbeitsleben zurückkehren.
Vielfältige Einsatzmöglichkeiten
Ein weiterer Vorteil besteht in der großen beruflichen Vielfalt. Zeitarbeitskräfte haben die Möglichkeit, in unterschiedlichen Einrichtungen zu arbeiten und verschiedene Arbeitsbereiche kennenzulernen. Dadurch sammeln sie vielfältige Erfahrungen und erweitern ihre fachlichen Kompetenzen.
Soziale Absicherung
Auch die soziale Absicherung spielt eine wichtige Rolle. In Österreich ist die Arbeitskräfteüberlassung gesetzlich klar geregelt, wodurch Zeitarbeitskräfte ähnliche Rechte wie regulär angestellte Mitarbeiter haben. Dazu zählen unter anderem Kündigungsschutz, Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall, Urlaubsanspruch sowie der volle Sozialversicherungsschutz.
Geregelte Mindestgehälter
Darüber hinaus sorgt der Kollektivvertrag für die Arbeitskräfteüberlassung dafür, dass Mindestgehälter und Zuschläge festgelegt sind. Zeitarbeitskräfte dürfen in vielen Fällen nicht schlechter bezahlt werden als vergleichbare Beschäftigte im Einsatzbetrieb. Branchenzuschläge können zusätzlich zu einem höheren Einkommen führen.
Weiterbildungsmöglichkeiten
Ein weiterer Vorteil sind Weiterbildungsangebote, die speziell für Zeitarbeitskräfte zur Verfügung stehen. In Österreich tragen Personaldienstleister zum Sozial- und Weiterbildungsfonds bei, aus dem verschiedene Qualifizierungsmaßnahmen finanziert werden. Dadurch können Beschäftigte beispielsweise Kurse besuchen, zusätzliche Qualifikationen erwerben oder ihre beruflichen Fähigkeiten erweitern.
Chance auf Festanstellung
Zeitarbeit kann auch als Sprungbrett für eine feste Anstellung dienen. Manche Einrichtungen nutzen den Einsatz von Zeitarbeitskräften, um potenzielle Mitarbeiter zunächst kennenzulernen. Wenn sich die Zusammenarbeit bewährt, kann daraus später ein dauerhaftes Arbeitsverhältnis entstehen.
Zeitarbeit in der Pflege – Nachteile
Trotz vieler Vorteile kann Zeitarbeit auch einige Nachteile mit sich bringen. Im Vergleich zu einer Festanstellung fehlen häufig feste Strukturen und eine langfristige Planbarkeit des Arbeitsalltags. Durch wechselnde Einsatzorte müssen sich Pflegekräfte immer wieder auf neue Teams und Arbeitsabläufe einstellen.
Längere Arbeitswege
Mit der Zeitarbeit können teilweise längere Arbeitswege verbunden sein. Zwar finden Einsätze meist regional statt, dennoch müssen Pflegekräfte innerhalb einer Region häufig verschiedene Einrichtungen anfahren.
Häufige Einarbeitung in neue Arbeitsumgebungen
Ein weiterer Aspekt ist die regelmäßige Einarbeitung in neue Arbeitsumgebungen. Jede Einrichtung hat eigene Abläufe, Dokumentationssysteme und organisatorische Strukturen. Zeitarbeitskräfte müssen sich daher häufig innerhalb kurzer Zeit in neue Arbeitsprozesse einarbeiten.
Weniger langfristige Planungssicherheit
Einige Zeitarbeitskräfte vermissen zudem die Stabilität, die eine feste Anstellung bietet. Während die Abwechslung zunächst reinzvoll sein kann, wünschen sich viele Pflegekräfte langfristig mehr Planungssicherheit im Berufsleben.
Was verdiene ich in der Zeitarbeit?
In Österreich richtet sich das Gehalt in der Zeitarbeit nach klaren gesetzlichen Vorgaben. Die Entlohnung erfolgt in der Regel nach dem Kollektivvertrag der Arbeitskräfteüberlassung. Sollte der Kollektivvertrag der Einrichtung ein höheres Gehalt vorsehen, greift das Günstigkeitsprinzip, wodurch das höhere Entgelt bezahlt werden muss. Zusätzlich können in manchen Branchen zusätzlich Referenzzuschläge anfallen. Dadurch kann es vorkommen, dass Zeitarbeitskräfte sogar besser verdienen als vergleichbare Mitarbeiter der Stammbelegschaft.
Chancen und Herausforderungen für Arbeitgeber
Zeitarbeit ist für Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen ein wichtiges Instrument, um kurzfristige Personalengpässe auszugleichen. Sie ermöglicht es, flexibel auf Ausfälle durch Krankheit, Urlaub oder unerwartete Engpässe zu reagieren und die Patientenversorgung sicherzustellen. Gerade angesichts des anhaltenden Fachkräftemangels fungiert Zeitarbeit als Puffer, der die kurzfristige Funktionsfähigkeit der Einrichtungen unterstützt.
Allerdings sind Zeitarbeitskräfte für Einrichtungen mit höheren Kosten verbunden, da Personaldienstleister Vermittlungs- und Verwaltungsgebühren berechnen. Diese zusätzlichen Ausgaben müssen die Einrichtungen selbst tragen und können die Budgetplanung belasten. Gleichzeitig locken Zeitarbeitsfirmen Pflegekräfte teilweise mit attraktiven Konditionen wie flexiblen Dienstplänen oder höheren Gehältern. Dadurch kann es vorkommen, dass Mitarbeitende aus festen Arbeitsverhältnissen in die Zeitarbeit wechseln.
Entscheidungshilfe: Ist Zeitarbeit das Richtige für mich?
Diese Entscheidungshilfe hilft Pflegekräften, abzuwägen, ob Zeitarbeit den eigenen Zielen und Lebensumständen entspricht:
- Flexibilität vs. Sicherheit: Bevorzuge ich freie Zeiteinteilung oder feste Arbeitsstrukturen?
- Abwechslung vs. Teambindung: Möchte ich unterschiedliche Einrichtungen kennenlernen oder langfristig in einem Team arbeiten?
- Karriereperspektive: Unterstützt Zeitarbeit meine beruflichen Ziele oder Weiterbildungsvorhaben?
- Eigenorganisation: Bin ich bereit, Themen wie Lohnabrechnung, Steuerfragen und Sozialversicherung selbst zu managen?
- Pendeldistanz: Kann ich längere oder wechselnde Arbeitswege organisatorisch stemmen?
- Anpassungsfähigkeit: Bin ich bereit, mich regelmäßig auf neue Abläufe, Teams und Dokumentationssysteme einzustellen?
Wer die Mehrheit dieser Punkte positiv bewertet, kann in Zeitarbeit Chancen auf Flexibilität, Vielfalt und Erfahrung sehen. Wer hingegen Stabilität, langfristige Planung und feste Teamstrukturen priorisiert, sollte alternative Arbeitsmodelle prüfen.
Fazit
Zeitarbeit ist in der österreichischen Pflege ein wichtiges Mittel, um kurzfristige Personalengpässe auszugleichen und die pflegerische Versorgung aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig entstehen den Einrichtungen durch Vermittlungs- und Verwaltungskosten der Personaldienstleister zusätzliche Ausgaben, und der Wechsel von Pflegekräften in die Zeitarbeit kann den Fachkräftemangel langfristig verstärken. Grundlegende strukturelle Probleme im Pflegebereich werden dadurch nicht gelöst.
Für Pflegekräfte bietet Zeitarbeit sowohl Chancen als auch Herausforderungen. Wechselnde Einsatzorte, neue Teams und kurze Einarbeitungszeiten erfordern Flexibilität, gleichzeitig profitieren viele von flexibleren Arbeitszeiten, abwechslungsreichen Einsatzorten und teilweise besseren Verdienstmöglichkeiten. Pflegekräfte sollten daher genau prüfen, ob dieses Arbeitsmodell zu ihren beruflichen Zielen und persönlichen Lebensumständen passt.
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Häufige Fragen
- Was ist Zeitarbeit in der Pflege?
- Lohnt sich Zeitarbeit in der Pflege?
- Welche Vor- und Nachteile hat Zeitarbeit in der Pflege?
- Wie funktioniert Zeitarbeit in der Pflege?
Bei Zeitarbeit bzw. Arbeitskräfteüberlassung sind Pflegekräfte bei einem Personaldienstleister angestellt und werden zeitlich befristet in verschiedenen Pflegeeinrichtungen eingesetzt, zum Beispiel in Krankenhäusern oder Pflegeheimen.
Zeitarbeit kann sich lohnen, da sie häufig flexiblere Arbeitszeiten, abwechslungsreiche Einsätze und teilweise eine bessere Bezahlung bietet. Gleichzeitig hängt es aber auch stark von den persönlichen Erwartungen und Lebensumständen ab.
Zu den Vorteilen von Zeitarbeit in der Pflege zählen mehr Flexibilität, unterschiedliche Einsatzorte und neue Berufserfahrungen. Nachteile können häufige Ortswechsel, wechselnde Teams und kurze Einarbeitungszeiten sein.
Pflegekräfte schließen einen Arbeitsvertrag mit einem Personaldienstleister ab. Dieser verleiht sie an Pflegeeinrichtungen, die kurzfristig Personal benötigen, etwa bei Krankheit, Urlaub oder Personalmangel.
Quellen
- DEKRA Arbeit Austria, Zeitarbeit einfach erklärt: Chancen, Vorteile und Hintergründe, https://www.dekra-arbeit.at/... (Letzter Zugriff am 15.07.2026)
- Österreichs Personaldienstleister, Entlohnung von ZeitarbeitnehmerInnen, https://www.personaldienstleister.at/... (Letzter Zugriff am 15.07.2026)


