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Mehr als 55 Millionen Menschen weltweit sind an Demenz erkrankt, so der diesjährige Report der „Alzheimer`s Disease International”-Initiative. Durch viele verschiedene Faktoren – etwa, dass Menschen immer älter werden und es immer mehr Menschen gibt – nimmt die Anzahl der direkt von der Krankheit betroffenen Personen weiter zu. Alleine in Österreich haben, Stand 2020, circa 130.000 Menschen eine Form dieser Beeinträchtigung. Umso wichtiger ist es, sich genau über die Krankheit und Strategien in der Kommunikation mit Betroffenen zu informieren. Darüber gibt es mehr in diesem Text zu lesen.
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Demenz – Definition
Der Oberbegriff Demenz umfasst Erkrankungen, die mit einem fortschreitendem Verlust bestimmter kognitiver Funktionen einhergehen. Zu diesen gehört:
- Denken
- Orientierung
- Lernfähigkeit
- Auffassungsgabe
- Sprache
- Urteilungsvermögen.
Das Krankheitsbild der Demenz stört demnach das Gedächtnis, das Denkvermögen und die emotionale Kontrolle. Dabei kann es nicht nur zu einem Verlust des Kurzzeit- sowie Langzeitgedächtnisses, sondern auch zu einer Beeinträchtigung der Informationsverarbeitung kommen. Neben diesen Symptomen treten oft auch Persönlichkeitsveränderungen und Angstzustände auf. In Folge dessen sind viele Aufgaben im Alltag deutlich erschwert.
Das Risiko an Demenz zu erkranken, steigt mit zunehmendem Alter, aber auch in jüngeren Jahren ist es bereits möglich, die Krankheit zu bekommen. Nach derzeitigen Stand ist Demenz nicht heilbar. Allerdings ermöglicht eine Früherkennung, den Krankheitsverlauf zu verzögern und zu mildern.
Der Verlauf der dementiellen Erkrankung ist dabei auch abhängig von der Form der Demenz und weiteren äußeren Einflussfaktoren. So macht es beispielsweise einen Unterschied, ob Patienten/-innen einsam sind, an Depressionen leiden und/oder weitere körperliche Erkrankungen haben.
Demenz – Stufen
Die Demenz kann in drei Schweregrade unterteilt werden. Die leichte, die mittelgradige und die schwere Demenz. Neben der klinischen Symptomatik dient Ärzten/-innen zur Einschätzung des Schweregrades auch der erreichte Wert in der Mini Mental State Examination (MMSE), welche das häufigste Verfahren der klinischen Demenz-Diagnostik ist. Der Wert in der MMSE geht aus einem Test hervor, bei dem Fragen zum Status der Erkrankung gestellt werden (sog. Mini-Mental-Status-Test, kurz MMST).
Bei der leichten Form der Demenz sind erste kognitive Beeinträchtigungen zu bemerken. Als Konsequenz können komplexe Aufgaben im Alltag nicht mehr vollständig ausgeführt werden. Zudem kommen in diesem Stadium häufig affektive Störungen, wie Depressionen, Reizbarkeit, Motivationsverlust und Stimmungsschwankungen. Die unabhängige Lebensführung ist in der Regel zwar beeinträchtigt, aber dennoch möglich.
Die kognitiven Fähigkeiten verschlechtern sich bei der mittelgradigen Demenz weiter und Patienten/-innen können in der Regel kein vollkommen selbstständiges Leben mehr führen. Sie sind häufig auf Hilfe angewiesen, müssen jedoch nicht ständig beaufsichtigt werden. Hinzu kommen Unruhe, teils aggressives Verhalten, psychotische Störungen, Schreien, Nesteln und ein gestörter Tag-Nacht-Rhythmus.
Die letzte Stufe, die schwere Demenz, ist nicht mehr ohne dauerhafte Betreuung zu bewältigen. Die Patienten/-innen können keine Gedankengänge nachvollziehbar kommunizieren und somit kein unabhängiges Leben mehr führen. Die sonstige Symptomatik ähnelt stark der mittelgradigen Demenz. In der Endphase der Erkrankung sind die Patienten/-innen bettlägerig und müssen meist palliativ versorgt werden. Dieses Stadium wird auch als embryonale Phase bezeichnet.
Warnsignale im Anfangsstadium von Demenz
Es gibt häufig auftretende Warnsignale, die es Pflegekräften, etwa einem/-r Altenpfleger/in, und Angehörigen ermöglichen, Demenzerkrankungen frühzeitig zu erkennen. Folgende Beschwerden können beispielsweise auf eine beginnende Demenz hindeuten:
- Sprachstörungen
- Fehleinschätzung von Gefahren
- Schwierigkeiten, sich in einer gewohnten Umgebung zurechtzufinden
- Probleme beim Verstehen von visuellen Eindrücken und räumlichen Zusammenhängen.
Arten der Demenz und Ermitteln des Pflegegrads
Je nach dem, ob das Gehirn oder ein anderes Organ betroffen ist, kann zwischen der primären und der sekundären Demenz unterschieden werden.
Primäre Demenz
Bei der primären Demenz ist das Gehirn direkt betroffen. Zu dieser Art zählen Neurodegenerative, d.h. gehirnbeeinträchtigende, Erkrankungen sowie die vaskuläre, also gefäßbedingte, Demenz und Mischformen der beiden. Zur den neurodegenerativen Krankheitsarten von zählen die Alzheimer-Demenz, Parkinson, Lewy-Körper-Demenz oder die Frontotemporale Demenz . Etwa 60 Prozent der Erkrankten leiden an Alzheimer.
Vaskuläre, d.h. gefäßbedingte, Ursachen haben z.B. eine zerebrovaskuläre Insuffizienz und die Multi-Infarkt Demenz. Bei einer zerebrovaskulären Insuffizient funktionieren die Gehirngefäße nicht mehr wie zuvor, was sich auf die Hirnaktivität auswirkt. Eine Multi-Infarkt-Demenz wird durch Durchblutungsstörungen im Gehirn ausgelöst. 20 Prozent bis 30 Prozent der Beeinträchtigten hat eine vaskuläre Demenz.
Circa 15 Prozent der Erkrankten haben eine Mischform. Sie kämpfen damit sowohl mit gefäßbedingten als auch mit gehirnbeeinträchtigenden Leiden.
Beispiel Alzheimer
Für viele Menschen sind die Begriffe Alzheimer und Demenz gleichbedeutend. Allerdings ist die Alzheimer-Krankheit ist die wohl häufigste, irreversible Form der Demenz. Etwa zwei Drittel aller Erkrankten leiden an der neurodegenerativen Erkrankung des Gehirns, bei welcher zerebrale Nervenzellen, also Gehirnzellen, im weiteren Verlauf zerstört werden. Für die Alzheimer-Demenz typisch ist der schleichende Beginn. Ihn kennzeichnet hauptsächlich ein leichter Kurzzeitgedächtnis- und Konzentrationsverlust. Ursache hierfür ist, neben dem Absterben von Nervenzellen, auch die Ablagerung von Eiweißen – sogenannten Plaques. Zudem spielen auch genetische Faktoren eine Rolle. Der genaue Ursprung einer Alzheimer-Erkrankung ist jedoch noch unerforscht.
Sekundäre Demenz
Nicht nur über das Gehirn, sondern auch von anderen Organen ausgehend kann es zu einer Demenzerkrankung kommen. Ist das der Fall, liegt eine sekundäre Demenz vor. Eine Schilddrüsenfunktionsstörung, Stoffwechselerkrankungen oder Mangelerscheinungen können beispielsweise Ursachen dafür sein. Es kommt häufiger vor, dass das Krankheitsbild vom Gehirn, als von anderen Organen aus beginnt.
Pflegegrad
In Österreich werden sieben unterschiedliche Pflegegrade von Demenz unterschieden. Die ersten vier Stufen werden nach quantitativen Kriterien festgesetzt. Entscheidend ist hierbei, wie viele Stunden im Monat für die Pflege aufgebracht werden müssen. Bei der Bewertung der Stufen fünf bis sieben werden zudem weitere Kriterien, wie eine dauerhafte Bereitschaft, eine Tag- und Nachtbetreuung und der Grad der Bewegungsmöglichkeit bei der Vergabe der Pflegegelder mit einbezogen.
Demenz – Was es bei der Pflege zu beachten gibt
Die Betreuung dementer Menschen verlangt sowohl von pflegenden Angehörigen als auch Pflegekräften viel Kraft ab. Wichtig ist dabei in erster Linie, dass die betreuende Pflegekraft nicht zu häufig wechselt, da diese die Bezugsperson darstellt. Pflegekräfte sollten zudem darauf achten, den Patienten/-innen immer auf Augenhöhe zu begegnen. Man sollte langsam und deutlich sprechen sowie unruhiges Verhalten vermeiden. Demnach spielt im Umgang mit dementen Menschen Geduld eine große Rolle. Je nach Stufe der Demenzerkrankungen, bekommen die Betroffenen ihren geistigen Abbau selbst mit. In solchen Fällen sollten pflegende Personen auch in der Lage sein, emotionalen Beistand zu leisten. Was es in der Kommunikation je nach Pflegegrad zu beachten gibt, fassen die nachfolgenden Abschnitte zusammen.
Kommunikation bei Demenz
Da Demenz Auswirkungen auf das Gehirn hat, ändert sich durch die Erkrankung die Kommunikation mit Betroffenen. Konkret bedeutet das, offen für die veränderte Wahrnehmung von Erkrankten zu sein und das in Interaktionen einzubeziehen. So erreicht man, dass auf einer gemeinsamen Ebene kommuniziert wird. Die Veränderung in der Kommunikation und Wahrnehmung der Umwelt bei den dementiell Erkrankten kann verschiedene Formen annehmen. Möglich sind z.B. Wortfindungsschwierigkeiten, Persönlichkeitsveränderungen sowie ein gestörtes Kurzzeit- und/oder Langzeitgedächtnis. Abhängig davon, ob eine an der Krankheit leidende Person leicht, mittelschwer oder schwer betroffen ist, ändert sich die Art, mit ihr zu kommunizieren.
Interagieren und Kommunizieren – Leicht fortgeschrittene Krankheit
Im Umgang mit Menschen, die von leichter Demenz betroffen sind, ist folgendes zu beachten:
- Geduld
- kurze Sätze (z.B. Ja-/Nein-Fragen)
- deutliche Aussprache
- langsames Sprechen
- Gesten zum Untermalen des Gesprochenen (z.B. Gähnen bei Müdigkeit).
Anfangs ist es für beide Seiten – Betroffene und Angehörige – noch nicht ganz greifbar, was los ist. Daher ist es umso wichtiger, ruhig und verständnisvoll mit der Situation umzugehen. Das Erlernen eines gekonnten Umgangs mit dementiell Erkrankten kann nachweislich die Lebensqualität erhöhen.
Interagieren und Kommunizieren – Mittelschweres Krankheitsbild
Ab Stadium fünf spricht man von einer mittelschweren Demenz. Tipps für die Kommunikation mit Betroffenen sind:
- auf Gefühle eingehen und Verständnis dafür zeigen
- Akzeptanz, Gelassenheit
- über Leben des/-r Erkrankten gemeinsam reden (Identitätsempfingen erhalten)
- Erinnerungen auffrischen (z.B. mit Hilfe von Fotoalben oder Musik)
- Erkrankte/r übernimmt tendenziell Haltung und Gefühle des Gegenübers.
In diesem Stadium reagieren Erkrankte eher mit Wut oder starken Gefühlen. Hier kommt es darauf an, Mitgefühl aufzubringen für die Emotionen des/-r Erkrankten. Über Vergangenes sprechen, ein Lieblingsgericht aus der Kindheit zubereiten oder der Musik von damals lauschen – damit trägt man zur Bewahrung des Identitätsempfindens von Betroffenen bei.
Interagieren und Kommunizieren – Schwere Erkrankung
Ist die Demenz soweit fortgeschritten, dass sie als schwer bezeichnet werden kann, kommt es in der Kommunikation mit Betroffenen darauf an:
- nonverbale Interaktionen (Körpersprache)
- emotionale und empathische Kommunikationsarbeit
- verschiedene Sinne stimulieren von Betroffenen
- Wertschätzung, Zuneigung
- Körperkontakt (z.B. Handhalten, Umarmen)
- Unterhaltungen führen.
In diesem Stadium der Krankheit kann es vorkommen, dass Demenzleidende nicht mehr verbal kommunizieren können. Also ist es entscheidend, die Interaktion auf die nonverbale Ebene zu übertragen. Auch hier sind Wertschätzung, Ruhe und Empathie unerlässlich.
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1. adiconference.org/files/general/ADI-2022-Abstract-Book.pdf (Abrufdatum: 11.07.2022)
2. www.finfo.at/ratgeber/pflegegeld-pflegestufen/ (Abrufdatum: 11.07.2022)
3. www.alzheimer-selbsthilfe.at/was-ist-demenz/ (Abrufdatum: 11.07.2022)




