Die Pflege ist ein 24/7-Bereich – entsprechend prägt das klassische Drei-Schicht-System seit Jahrzehnten den Berufsalltag. Gleichzeitig verändern sich die Erwartungen an Arbeitgeber im Gesundheitswesen spürbar: Neben einer wettbewerbsfähigen Vergütung rückt insbesondere die Work-Life-Balance in den Fokus. Flexible Arbeitsmodelle in der Pflege gewinnen dabei zunehmend an Bedeutung und werden zu einem zentralen Faktor im Wettbewerb um Fachkräfte. Doch welche Arbeitszeitmodelle gibt es konkret? Und welche Vor- und Nachteile ergeben sich daraus für Arbeitgeber? Der nachfolgende Beitrag liefert Antworten.
Das Wichtigste in Kürze
- Flexible Arbeitsmodelle in der Pflege sind ein zentraler Hebel für Mitarbeiterbindung und Arbeitgeberattraktivität.
- Modelle wie Teilzeit, Jobsharing, FlexPool oder Wahlarbeitszeit bieten unterschiedliche Ansätze.
- Flexible Modelle müssen im Rahmen gesetzlicher Vorgaben (z. B. Ruhezeiten) umgesetzt werden.
- Einbindung von Mitarbeitern in die Dienstplanung stärkt Motivation, Loyalität und langfristigen Berufsverbleib.
Was sind flexible Arbeitsmodelle in der Pflege?
Flexible Arbeitsmodelle in der Pflege umfassen alle Ansätze, die über das klassische Drei-Schicht-System hinausgehen und Arbeitszeiten individueller, planbarer oder bedarfsgerechter gestalten.
Typische Beispiele sind:
- Teilzeitmodelle mit individuell vereinbarten Stundenumfängen
- Jobsharing, bei dem sich zwei Mitarbeiter eine Stelle teilen
- FlexPools oder Springer-Modelle zur bedarfsorientierten Einsatzplanung
- Wahlarbeitszeitmodelle mit Mitbestimmung bei Dienstzeiten
- Blockmodelle oder verkürzte Schichten
Für Arbeitgeber bedeutet Flexibilität dabei nicht Beliebigkeit, sondern eine strategische Anpassung der Arbeitsorganisation: Ziel ist es, betriebliche Anforderungen mit den Bedürfnissen der Mitarbeitern in Einklang zu bringen.
Warum flexible Arbeitsmodelle in der Pflege an Bedeutung gewinnen
Flexible Arbeitsmodelle in der Pflege sind kein kurzfristiger Trend, sondern eine strukturelle Antwort auf mehrere Entwicklungen gleichzeitig. Der demografische Wandel führt zu einem steigenden Pflegebedarf, während gleichzeitig weniger Fachkräfte zur Verfügung stehen. Parallel dazu verändern sich Lebensentwürfe: Teilzeit, Wiedereinstieg nach Pflegeteilzeit oder Pflegekarenz oder individuelle Arbeitszeitpräferenzen sind heute die Regel und nicht mehr die Ausnahme.
Für Pflegeeinrichtungen entsteht daraus ein klarer Handlungsauftrag. Einrichtungen, die flexible Arbeitszeitmodelle anbieten, positionieren sich nicht nur als moderne Arbeitgeber, sondern sichern sich auch einen entscheidenden Vorteil im Recruiting neuer Mitarbeiter. Gleichzeitig lassen sich durch eine differenziertere Arbeitszeitgestaltung Belastungsspitzen besser abfedern und Personalressourcen effizienter einsetzen.
Flexible Arbeitsmodelle in der Pflege
In der Praxis zeigt sich, dass es kein „One-size-fits-all“-Modell gibt. Vielmehr kombinieren erfolgreiche Einrichtungen unterschiedliche Ansätze – abhängig von Fachbereich, Personalstruktur und organisatorischen Anforderungen. Die folgenden Modelle zeigen, wie unterschiedlich Flexibilität in der Praxis ausgestaltet werden kann – jeweils mit spezifischen Auswirkungen auf Organisation, Personalbindung und Effizienz.
Teilzeit und Jobsharing
Teilzeitmodelle etwa ermöglichen es, qualifizierte Pflegekräfte im System zu halten, die andernfalls nicht oder nur eingeschränkt verfügbar wären. Für Arbeitgeber bedeutet das eine stabilere Personalbasis, auch wenn die Koordination komplexer wird. Ähnlich verhält es sich beim Jobsharing: Zwei Personen teilen sich eine Stelle und schaffen so Flexibilität auf Mitarbeiterseite, während gleichzeitig die Besetzung gesichert bleibt. Der organisatorische Abstimmungsaufwand steigt, kann aber durch stabile Tandemstrukturen gut aufgefangen werden.
Praxisbeispiel: Jobsharing bei der Caritas Salzburg
Bei der Caritas der Erzdiözese Salzburg und dem Caritasverband der Erzdiözese Salzburg wird Jobsharing gezielt eingesetzt, um Mitarbeitern in unterschiedlichen Lebensphasen zu entlasten - etwa bei der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege von Angehörigen. Mehrere Tandems teilen sich (Führungs-)Positionen, Aufgaben und Arbeitszeiten. Für Arbeitgeber zeigt sich dabei ein klarer Mehrwert: Höhere Vertretungssicherheit, stärkere Mitarbeiterbindung und gesteigerte Motivation.
Blockmodell und kürzere Schichten
Blockmodelle wie das 7/7-System bedeuten, dass Mitarbeiter sieben Tage am Stück arbeiten und anschließend sieben Tage frei haben. Dieses Modell bietet lange zusammenhängende Freizeitphasen, was insbesondere für Pendler oder Mitarbeiter mit klar strukturierten Lebensmodellen attraktiv ist. Gleichzeitig erfordern längere Arbeitsblöcke eine sorgfältige Belastungssteuerung, da die Beanspruchung während der Arbeitsphase höher ist. Gleichzeitig müssen Arbeitgeber hier besonders auf Belastungssteuerung achten, da längere Dienste eine höhere physische und psychische Beanspruchung mit sich bringen.
Kürzere Schichten, beispielsweise 6-Stunden-Modelle, setzen an einem anderen Punkt an. Sie können die Konzentration und Leistungsfähigkeit während des Dienstes erhöhen und dazu beitragen, Ausfallzeiten zu reduzieren. Gleichzeitig führen sie zu einem höheren Koordinationsaufwand in der Dienstplanung und erfordern eine angepasste Personalstruktur.
Kürzere Schichten bietet auch klare Vorteile: Die geringere Arbeitsdauer pro Dienst reduziert Ermüdung und kann die Leistungsfähigkeit über den gesamten Einsatz hinweg stabil halten. Zudem verbessern solche Modelle häufig die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, was sie insbesondere für Wiedereinsteiger oder Mitarbeiter mit familiären Verpflichtungen attraktiv macht. Dadurch können Pflegeeinrichtungen zusätzliche Zielgruppen erschließen und ihre Attraktivität als Arbeitgeber steigern.
Flexibilität in der Personalsteuerung: Pools, Springer und Arbeitszeitkonten
Neben klassischen Schichtmodellen gewinnen organisatorische Instrumente zunehmend an Bedeutung.
Ein FlexPool besteht aus Mitarbeitern, die gezielt und planbar in verschiedenen Bereichen eingesetzt werden, je nach Bedarf der Einrichtung. Ziel ist eine flexible, aber dennoch strukturierte Personalsteuerung.
Der Springerdienst hingegen wird meist kurzfristig eingesetzt, um Ausfälle zu kompensieren. Der Einsatz erfolgt spontaner und weniger planbar als im FlexPool.
FlexPools ermöglichen es, Personal gezielt dort einzusetzen, wo Bedarf besteht. Im Unterschied zum klassischen Springerdienst erfolgt der Einsatz planbarer, wodurch sowohl die Versorgungssicherheit als auch die Stabilität auf den Stationen erhöht werden kann.
Der Springerdienst selbst bleibt dennoch ein wichtiges Instrument, insbesondere zur kurzfristigen Abdeckung von Ausfällen. Aus Arbeitgebersicht bietet er maximale Flexibilität, stellt jedoch gleichzeitig hohe Anforderungen an Organisation und Mitarbeiter.
Arbeitszeitkonten wiederum eröffnen die Möglichkeit, Arbeitszeiten über längere Zeiträume auszugleichen. Sie schaffen Spielräume bei schwankender Auslastung und können helfen, Überstunden systematisch abzubauen. Voraussetzung ist jedoch eine konsequente Steuerung, um eine dauerhafte Überlastung einzelner Mitarbeiter zu vermeiden.
Mitgestaltung als Erfolgsfaktor: Wahlarbeitszeit und neue Modelle
Ein besonders wirkungsvoller Ansatz im Employer Branding ist die Einbindung der Mitarbeiter in die Dienstplanung. Flexible Arbeitsmodelle in der Pflege lassen sich hier besonders gut über partizipative Ansätze umsetzen, etwa durch Wahlarbeitszeit oder selbstorganisierte Dienstplanung. Modelle wie die Wahlarbeitszeit ermöglichen es, individuelle Präferenzen zu berücksichtigen, ohne die organisatorischen Anforderungen aus dem Blick zu verlieren. Einrichtungen, die hier transparente und faire Systeme etablieren, profitieren häufig von höherer Zufriedenheit und geringerer Fluktuation.
Die Einbindung von Mitarbeitenden in die Dienstplanung kann auf unterschiedliche Weise erfolgen. Bei Rotationssystemen wechseln sich Arbeitszeiten nach festen Plänen regelmäßig ab, wodurch eine gleichmäßige Verteilung der Schichten entsteht. In partizipativen Modellen werden Mitarbeiter aktiv in die Planung einbezogen und können Wunschzeiten einbringen, die – soweit möglich – berücksichtigt werden. Ergänzend dazu ermöglichen Schichttauschmodelle mehr Flexibilität im Alltag, da Dienste in Abstimmung mit dem Team getauscht werden können. Die höchste Form der Beteiligung stellt die selbstorganisierte Dienstplanung dar, bei der Teams ihre Arbeitszeiten eigenständig koordinieren und weitgehend selbst festlegen.
Auch Modelle wie die 4-Tage-Woche oder funktionsgebundene Arbeitszeiten in spezialisierten Bereichen zeigen, dass Arbeitszeitgestaltung zunehmend differenziert gedacht wird. Sie sind nicht flächendeckend einsetzbar, können aber gezielt dort eingesetzt werden, wo sie organisatorisch sinnvoll sind und einen klaren Mehrwert bieten.
Flexible Arbeitsmodelle in der Pflege: Umsetzung und Checkliste
Die Einführung flexibler Arbeitszeitmodelle ist kein reines HR-Projekt, sondern ein organisatorischer Veränderungsprozess. Entscheidend für den Erfolg ist, dass Flexibilität nicht isoliert gedacht wird, sondern in die Gesamtstrategie der Einrichtung integriert ist.
In der Praxis zeigt sich: Einrichtungen, die flexible Modelle erfolgreich umsetzen, gehen schrittweise vor, testen Pilotbereiche und binden Mitarbeiter aktiv ein. Gleichzeitig braucht es klare Rahmenbedingungen, um Versorgungssicherheit und Planbarkeit nicht zu gefährden.
Die folgende Checkliste hilft dabei, die wichtigsten Erfolgsfaktoren systematisch zu berücksichtigen:
Checkliste für Arbeitgeber: Flexible Arbeitsmodelle in der Pflege einführen
- Bedarfsanalyse durchführen: Welche Bereiche sind besonders belastet? Wo bestehen Engpässe oder hohe Fluktuation?
- Mitarbeiter einbeziehen: Bedürfnisse, Wünsche und Einschränkungen aktiv erheben (z. B. über Befragungen)
- Geeignete Modelle auswählen: Nicht jedes Modell passt zu jeder Abteilung – differenzierte Betrachtung ist entscheidend
- Pilotprojekte starten: Einführung zunächst in einzelnen Bereichen testen und evaluieren
- Dienstplanung professionalisieren: Digitale Tools und klare Prozesse sind Voraussetzung für funktionierende Flexibilität
- Betriebsrat frühzeitig einbinden: Rechtliche und organisatorische Abstimmung sicherstellen
- Führungskräfte schulen: Flexibles Arbeiten erfordert neue Kompetenzen in Planung und Kommunikation
- Transparenz schaffen: Klare Regeln verhindern Konflikte und stärken Akzeptanz im Team
- Ergebnisse messen: Kennzahlen wie Krankenstand, Fluktuation oder Zufriedenheit regelmäßig evaluieren
Fazit
Flexible Arbeitsmodelle in der Pflege sind kein Zusatzangebot, sondern ein entscheidender Faktor moderner Personalstrategie. Für Arbeitgeber in der Pflege bedeutet das, Arbeitszeit aktiv zu gestalten, statt nur zu verwalten. Wer unterschiedliche Modelle sinnvoll kombiniert und strategisch einsetzt, kann nicht nur Personal binden, sondern sich auch nachhaltig als attraktiver Arbeitgeber positionieren. In einem zunehmend angespannten Arbeitsmarkt wird genau das zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil.
Häufige Fragen
- Was sind flexible Arbeitsmodelle in der Pflege?
- Was sind die Vorteile für flexible Arbeitsmodelle?
- Welche flexiblen Arbeitszeitmodelle gibt es in der Pflege?
- Wie können flexible Arbeitszeitmodelle in der Pflege erfolgreich eingeführt werden?
Unter flexiblen Arbeitsmodellen versteht man alle Arbeitszeitregelungen, die vom klassischen Drei-Schicht-System abweichen. Dazu zählen z. B. Teilzeit, Jobsharing, flexible Dienstplanung oder Arbeitszeitkonten. Ziel ist es, Arbeitszeiten besser an betriebliche Anforderungen und individuelle Bedürfnisse anzupassen.
Flexible Arbeitszeitmodelle erhöhen die Arbeitgeberattraktivität, verbessern die Mitarbeiterbindung und reduzieren Fluktuation. Gleichzeitig können sie Ausfallzeiten senken und die Zufriedenheit im Team steigern.
In der Pflege kommen verschiedene Modelle zum Einsatz, darunter Teilzeit, Jobsharing, 7/7-Blockdienste, FlexPool, Springerdienst, Wahlarbeitszeit sowie Arbeitszeitkonten. In der Praxis werden häufig mehrere Modelle kombiniert, um sowohl Flexibilität als auch Versorgungssicherheit zu gewährleisten.
Flexible Arbeitszeitmodelle in der Pflege sollten schrittweise eingeführt werden. Wichtig sind eine Bedarfsanalyse, die Einbindung der Mitarbeiter, klare Regelungen sowie die Abstimmung mit dem Betriebsrat. Pilotprojekte und eine professionelle Dienstplanung helfen dabei, die Modelle praxistauglich umzusetzen.
- Familie & Beruf Management GmbH, “Pflege und Beruf vereinbaren – ein Leitfaden, Orientierung für Arbeitgeber, Unterstützung für Mitarbeitende”, https://www.familieundberuf.at/... (Letzter Zugriff am: 30.03.2026)
- Wirtschaftskammer Österreich, “Flexible Arbeitszeitgestaltung”, https://www.wko.at/... (Letzter Zugriff am: 30.03.2026)


