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Medi-Karriere Magazin Gicht

Gicht: Ursachen, Symptome und Behandlung

Gicht: Ursachen, Symptome und Behandlung

Inhaltsverzeichnis

  1. Definition
  2. Symptome
  3. Ursachen
  4. Diagnosestellung
  5. Behandlung
  6. Ernährung und Lebensstil
  7. Prognose
  8. Prävention

Gicht – früher auch „Zipperlein“ genannt – ist eine häufige entzündliche Gelenkerkrankung. Gehen, Fahrradfahren, Schuhe anziehen oder etwas greifen und halten können: Gichtanfälle können so schmerzhaft sein, dass sie viele Alltagsaktivitäten unmöglich machen und die Lebensqualität der Betroffenen stark einschränken. Dieser Artikel informiert über die Ursachen und Symptome dieser Erkrankung, zeigt Behandlungsmöglichkeiten auf und geht auch auf Ernährung und Lebensstil bei Gicht ein.

Das Wichtigste zu Gicht in Kürze

  • Gicht entsteht, wenn sich Harnsäurekristalle in Gelenken oder anderen Geweben ablagern und dort Entzündungen auslösen.
  • Ein akuter Gichtanfall verursacht meist plötzlich sehr starke Schmerzen, Rötung, Schwellung und Überwärmung eines Gelenks. Häufig ist das Großzehengrundgelenk betroffen.
  • Zur Akuttherapie kommen je nach individueller Situation NSAR, Colchicin oder Glukokortikoide infrage.
  • Bei einer langfristigen harnsäuresenkenden Behandlung wird in der Regel ein Harnsäurewert unter 6 mg/dl angestrebt. Bei schwerer Gicht kann ein niedrigeres Ziel sinnvoll sein.
  • Eine ausgewogene Ernährung, weniger Alkohol und stark zuckerhaltige Getränke sowie eine langsame Gewichtsabnahme können die Behandlung unterstützen. Sie ersetzen notwendige Medikamente jedoch nicht.
  • In Österreich sind Hausärzte und Primärversorgungseinheiten die ersten Anlaufstellen bei Verdacht auf Gicht oder einem akuten Gichtanfall.

Inhaltsverzeichnis

  1. Definition
  2. Symptome
  3. Ursachen
  4. Diagnosestellung
  5. Behandlung
  6. Ernährung und Lebensstil
  7. Prognose
  8. Prävention

Gicht – Definition

Gicht ist eine Stoffwechselerkrankung, die durch die Ablagerung von Harnsäurekristallen, sogenannten Mononatriumuratkristallen, in Gelenken und anderen Geweben verursacht wird. Voraussetzung dafür ist meist ein länger erhöhter Harnsäurespiegel im Blut, die sogenannte Hyperurikämie. Obwohl die Hyperurikämie häufig vorkommt, ist bei weitem nicht jede Hyperurikämie behandlungsbedürftig. Tatsächlich haben viele Menschen erhöhte Harnsäurewerte, ohne dass daraus Beschwerden entstehen.

Allerdings können sich mit der Zeit Harnsäurekristalle vor allem in den Gelenken und gelenknahen Gewebe ablagern und Entzündungen verursachen. Auch Nierensteine und Beeinträchtigungen der Nierenfunktion sind möglich. Die Manifestation dieser Entzündungen ist das, was wir im eigentlichen Sinne als Gicht bezeichnen. Die Erkrankung tritt typischerweise erst nach dem 40. Lebensjahr auf. Männer erkranken deutlich häufiger und oftmals früher als Frauen. Bei Frauen tritt Gicht meist erst nach den Wechseljahren auf.

Gicht – Symptome

Gicht entwickelt sich meist über mehrere Jahre. Im Verlauf lassen sich vier Krankheitsstadien unterscheiden:

Stadium I: Asymptomatische Hyperurikämie

Es finden sich erhöhte Harnsäurewerte im Blut, aber diese verursachen keine Symptome. Wird die Hyperurikämie diagnostiziert, so ist sie meist ein Zufallsbefund.

Stadium II: Akuter Gichtanfall

Der erste Gichtanfall tritt zumeist nach mehreren Jahren mit erhöhten Harnsäurewerten auf. Auslöser können reichhaltiges Essen, hoher Alkoholkonsum, starke körperliche Anstrengungen, strenges Fasten, gewisse Medikamente oder Infektionen sein. Typisch sind in den frühen Morgenstunden auftretende, sehr starke einseitige Schmerzen, zumeist am Großzehengrundgelenk, seltener auch am Sprung-, Knie- oder Handgelenk. Die betroffene Stelle zeigt sich gerötet, geschwollen und überwärmt. Ohne Behandlung können die Beschwerden mehrere Tage bis etwa zwei Wochen anhalten. Mit einer frühzeitigen entzündungshemmenden Behandlung klingen sie meist schneller ab.

Stadium III: Zwischenstadium

Unbehandelt wiederholen sich die Gichtanfälle und nehmen in Dauer und Intensität zu. Die Harnsäurespiegel im Blut bleiben erhöht und die Gewebeablagerungen nehmen zu.

Stadium IV: Chronisch tophöse Gicht

Besteht eine Hyperurikämie über viele Jahre, können sich größere Ansammlungen von Harnsäurekristallen bilden. Diese Gichtknoten, sogenannte Tophi, treten unter anderem an Händen, Füßen, Ellbogen oder Ohren auf und sind häufig nicht schmerzhaft. Wiederkehrende Entzündungen können Gelenke dauerhaft schädigen. Harnsäure kann außerdem die Entstehung von Nierensteinen begünstigen.

Gicht – Ursachen

Harnsäure kann vom menschlichen Körper nicht abgebaut werden. Zu dauerhaft erhöhten Harnsäurespiegeln im Blut kommt es daher, wenn der Körper entweder dauerhaft zu viel Harnsäure produziert oder zu wenig über die Nieren ausscheidet. Ursachen eines erhöhten Harnsäurespiegels können ein hoher Alkoholkonsum, Krebs– oder Nierenerkrankungen, die Einnahme bestimmter Medikamente (Diuretika oder niedrig dosierter ASS) oder eine Ernährung mit besonders fetten oder purinreichen Lebensmitteln und Getränken sein. Auch erblich bedingt kann der Harnsäurespiegel zu hoch sein, da genetische Varianten die Ausscheidung von Harnsäure über die Nieren beeinflussen können.

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Gicht – Diagnosestellung

Die Diagnoseerhebung bei Gicht stützt sich zunächst auf die Anamnese und den körperlichen Befund. Dabei werden insbesondere die Gelenke auf Beweglichkeit, Schwellung und Hinweise auf bereits stattgefundene Gichtschübe (Ablagerungen von Harnsäure um die Gelenke herum, sogenannte Gicht-Tophi) untersucht. Vor allem eine schmerzhafte, gerötete Schwellung am Grund- oder Endgelenk des großen Zehs ist ein typisches Anzeichen für Gicht, beweist die Erkrankung jedoch nicht. Generell kann man sagen, dass die Erkrankung dann als wahrscheinlich gilt, wenn zu Beginn nur ein Gelenk (meist das Großzehengelenk) betroffen ist, sich die Beschwerden innerhalb weniger Stunden entwickeln und nach etwa ein bis zwei Wochen wieder verschwinden.

Ergänzend wird häufig der Harnsäurespiegel im Blut bestimmt. Während eines akuten Gichtanfalls kann dieser jedoch normal sein. Ein unauffälliger Einzelwert schließt Gicht daher nicht aus.

Um Gicht eindeutig nachzuweisen, kann das betroffene Gelenk punktiert und daraus Gelenkflüssigkeit gewonnen werden. Finden sich unter dem Polarisationsmikroskop typische Mononatriumuratkristalle in der Flüssigkeit, kann die Diagnose sichergestellt werden. Zusätzlich kann hierdurch andere Ursachen wie eine Pseudogicht oder eine bakterielle Gelenkinfektion abgeklärt werden. In speziellen Fällen kommen weitere bildgebende Untersuchungen, wie der Gelenksultraschall oder die Dual-Energy-Computertomographie (DECT), im Rahmen derer Harnsäurekristalle farblich dargestellt werden können, zum Einsatz.

Formen von Gicht

Wie bei den meisten Stoffwechselstörungen unterscheidet man auch bei der Gicht eine primäre (genetisch determinierte) und eine sekundäre (im Rahmen anderer Krankheiten auftretende) Form. Während die primäre Hyperurikämie deutlich häufiger ist, gibt es Erkrankungen, bei denen pathophysiologisch bedingt ebenfalls erhöhte Harnsäurespiegel auftreten. Dazu gehören Nierenerkrankungen, bestimmte Tumorerkrankungen, Erkrankungen mit erhöhtem Zellabbau sowie Psoriasis. Auch Medikamente können eine sekundäre Hyperurikämie verursachen.

Gicht – Behandlung

Die Behandlung der Gicht hat zwei Ziele: Kurzfristig soll sie die Schmerzen bei einem Gichtanfall lindern und langfristig soll sie weitere Anfällen vorbeugen und das Risiko für chronische Entzündungen und Gelenkschäden senken. Deshalb ist es wichtig, dass die Therapie möglichst frühzeitig einsetzt.

Behandlung des akuten Gichtanfalls

Beim akuten Gichtanfall stehen Schmerz- und Entzündungsbekämpfung im Vordergrund. Dabei kommen abhängig von Begleiterkrankungen und Gegenanzeigen nicht-steroidale Antirheumatika, kurz NSAR, Colchicin oder Glukokortikoide, sowie lokale Kälteanwendungen zum Einsatz. Eine weitere Option ist die Gabe von Kortison. Dies führt in der Regel rasch zum Abklingen des Anfalls.

Außerdem sollten Betroffene ausreichend Flüssigkeit trinken, sofern keine medizinischen Gründe dagegensprechen. Medikamente wie Allopurinol, die für die langfristige Therapie der Gicht bestimmt sind, dürfen bei einem akuten Gichtanfall nicht eigenständig abgesetzt werden. Ob eine neue harnsäuresenkende Therapie bereits während des Anfalls oder erst nach dessen Abklingen begonnen wird, entscheidet der behandelnde Arzt individuell.

Langfristige Behandlung der Gicht

Das Ziel der langfristigen Gichtbehandlung ist es, Gichtanfällen und den Folgeproblemen vorzubeugen, indem der Harnsäurespiegel gesenkt wird. Das geschieht meist durch eine Ernährungsumstellung und weitere Lebensstilanpassungen, bei entsprechender medizinischer Indikation in Kombination mit harnsäuresenkenden Medikamenten. Urikostatika wie Allopurinol hemmen die Bildung von Harnsäure und können sogar dafür sorgen, dass sich die vorhandenen Harnsäuresalzablagerungen im Körper zurückbilden.

Die Dosis wird üblicherweise schrittweise anhand wiederholter Harnsäuremessungen angepasst. Angestrebt wird in der Regel ein Wert unter 6 mg/dl beziehungsweise 360 µmol/l. Bei schwerer Gicht mit Tophi oder häufigen Anfällen kann vorübergehend ein Zielwert unter 5 mg/dl beziehungsweise 300 µmol/l sinnvoll sein. Nach Abklingen der akuten Entzündung können individuell abgestimmte Bewegung und Physiotherapie helfen, Beweglichkeit und Gelenkfunktion zu erhalten.

Wann ist ein Krankenhausaufenthalt notwendig?

Ein Krankenhausaufenthalt kann notwendig sein, wenn eine bakterielle Gelenkinfektion nicht sicher ausgeschlossen werden kann, sehr starke Beschwerden ambulant nicht beherrschbar sind oder seltene schwere Komplikationen beziehungsweise operative Eingriffe behandelt werden müssen. Operationen sind bei Gicht nur selten erforderlich.

Im Verlauf können Gicht-Tophi entfernt und Deformationen an Finger- und Zehengelenken korrigiert werden. Wenn Gelenke bereits stark geschädigt und Bewegungen sehr schmerzhaft sind, können künstliche Gelenke eingesetzt oder die Gelenke versteift werden.

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Gicht – Ernährung und Lebensstil

Durch einen gesundheitsfördernden Lebensstil können Gicht-Patienten die Wahrscheinlichkeit von Anfällen senken. Vor allem purinreiche Nahrungsmittel, wie Innereien, größere Mengen roten Fleisches, Wurst sowie bestimmte Fischarten und Meeresfrüchte sollten Betroffene möglichst meiden, denn aus dieser Substanz bildet sich Harnsäure. Auch Alkohol oder stark fruktose- beziehungsweise zuckerhaltige Getränke lassen die Harnsäurekonzentration im Blut steigen und sind daher für Gicht-Patienten nicht zu empfehlen. Ratsam sind viel Bewegung und ein gesundes Körpergewicht, wobei auf radikale Diäten verzichtet werden sollte, denn auch Fasten kann Gicht-Anfälle auslösen. Eine Gewichtsabnahme sollte langsam und möglichst ärztlich oder ernährungsmedizinisch begleitet erfolgen.

Gicht – Prognose

Auch wenn sich nach einem Gichtanfall die Gelenke normalerweise innerhalb von einigen Tagen bis etwa zwei Wochen von alleine wieder erholen, ist eine frühzeitige und korrekte Behandlung unbedingt notwendig. Bleibt der Harnsäurespiegel dauerhaft erhöht, können weitere Anfälle, Tophi, chronische Gelenkentzündungen, Gelenkschäden und Nierensteine auftreten. Wann und ob sich eine chronische Gicht entwickelt, lässt sich nicht mit einer festen Jahreszahl angeben. Bei konsequenter Behandlung und dauerhaftem Erreichen des Harnsäurezielwerts ist die Prognose in der Regel gut.

Gicht – Prävention

Um das Risiko für Gichtanfälle zu senken gelten ähnliche Verhaltensregeln wie bei bereits an Gicht erkrankten Patienten:

  • Gesundheitsfördernde Ernährung mit Gemüse, Obst in üblichen Portionsgrößen, fettarmer Milch, Eiern und Getreideprodukten
  • Innereien, größere Mengen roten Fleisches, Wurst sowie bestimmte Fischarten und Meeresfrüchte begrenzen
  • Zuckergesüßte Getränke möglichst meiden
  • Regelmäßige Bewegung (aber keine körperliche Überanstrengung)
  • Normalgewicht anstreben, aber radikale Diäten und Fasten meiden
  • Alkohol begrenzen, insbesondere Bier und Spirituosen

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Häufige Fragen zu Gicht

  1. Was sind typische Symptome von Gicht?
  2. Typische Symptome von Gicht sind plötzlich auftretende, sehr starke Gelenkschmerzen. Das betroffene Gelenk ist meist gerötet, geschwollen, überwärmt und extrem berührungsempfindlich. Häufig beginnt der erste Gichtanfall am Großzehengrundgelenk. Auch Sprunggelenk, Knie, Ellbogen, Hand oder Finger können betroffen sein.

  3. Welcher Arzt behandelt Gicht in Österreich?
  4. Bei Verdacht auf Gicht kannst Du Dich in Österreich zunächst an einen Hausarzt oder eine Primärversorgungseinheit wenden. Dort können die Beschwerden beurteilt und unter anderem Harnsäure-, Nieren- und Entzündungswerte bestimmt werden. Bei unklaren, wiederkehrenden oder schweren Verläufen kann eine Überweisung zu einem Facharzt für Innere Medizin oder Rheumatologie erfolgen.

  5. Wie wird ein akuter Gichtanfall in Österreich behandelt?
  6. Ein akuter Gichtanfall wird in Österreich je nach Begleiterkrankungen und Gegenanzeigen mit entzündungshemmenden Medikamenten behandelt. Dazu zählen NSAR, Colchicin oder Glukokortikoide. Zusätzlich können Kühlen, Hochlagern und das Schonen des betroffenen Gelenks helfen. Welche Behandlung geeignet ist, sollte ärztlich entschieden werden.

  7. Welcher Harnsäurewert wird bei Gicht angestrebt?
  8. Bei einer harnsäuresenkenden Behandlung von Gicht wird in der Regel ein Harnsäurewert unter 6 mg/dl beziehungsweise 360 µmol/l angestrebt. Bei schwerer Gicht mit Tophi oder häufigen Anfällen kann vorübergehend ein Zielwert unter 5 mg/dl beziehungsweise 300 µmol/l sinnvoll sein. Entscheidend ist eine regelmäßige ärztliche Kontrolle und Anpassung der Behandlung.

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Quellen
  1. Gesundheit.gv.at, “Gicht: Ursachen, Vorbeugung und Symptome”, https://www.gesundheit.gv.at/... (Abrufdatum: 16.09.2026)
  2. Gesundheitsinformation, “Gicht”, https://www.gesundheitsinformation.de/... (Abrufdatum: 16.09.2026)
  3. Rheuma-Liga, “Gicht: Ursachen, Symptome, Therapie”, https://www.rheuma-liga.de/... (Abrufdatum: 16.09.2026)
  4. KSW, “Gicht”, https://www.ksw.ch/... (Abrufdatum: 16.09.2026)
Medizinische und Rechtliche Hinweise
Wichtiger rechtlicher Hinweis für diesen Artikel
Autor
Anja Brunner
Anja Brunner
Ärztin
Zuletzt aktualisiert: 15.10.2026

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