
Pflegekräfte werden dringend gesucht. Das österreichische Sozialministerium geht bis 2030 von einem Bedarf von rund zusätzlichen 51.000 Pflege- und Betreuungspersonen aus. Die Berufsaussichten für qualifizierte Pflegekräfte sind sehr gut. Doch ein erfülltes Berufsleben hängt auch maßgeblich vom Arbeitgeber ab. Nicht jede Einrichtung hält im Arbeitsalltag, was Stellenanzeige oder Karrierewebsite versprechen. Dieser Artikel zeigt, welche Red Flags bereits im Bewerbungsprozess auf mögliche Probleme im Arbeitsalltag hindeuten können, welche Fragen Du stellen solltest und woran Du einen guten Arbeitgeber erkennst.
Das Wichtigste zu Red Flags im Bewerbungsprozess in Kürze
- Schwammige Antworten auf Fragen zur Personalbesetzung sollten Bewerber aufhorchen lassen.
- Wie Dienstpläne erstellt und wie mit kurzfristigen Änderungen umgegangen wird, sollte bereits im Bewerbungsgespräch transparent dargelegt werden.
- Die Einarbeitung sollte einem klar strukturierten Konzept folgen.
- Klare berufliche Entwicklungsperspektiven für Deine Rolle sollten aufgezeigt werden können.
- Kritische Fragen sollten nicht mit Floskeln abgetan werden.
- Du als Bewerber solltest genügend Zeit für eine Entscheidung bekommen.
- Eine hohe Fluktuation kann auf strukturelle Probleme hinweisen.
7 Red Flags im Bewerbungsprozess
Nicht jeder Arbeitgeber spricht Probleme direkt offen an – insbesondere in der von Personalengpässen geplagten Pflege. Falls Du auf der Suche nach einer neuen Stelle in der Pflege bist, kannst Du sogenannte Red Flags – also Warnsignale für mögliche Probleme im späteren Arbeitsalltag – bereits in der Stellenanzeige, während der Kommunikation oder spätestens im Vorstellungsgespräch erkennen.
Entscheidend ist dabei nicht, was gesagt wird, sondern auch, wie transparent und konkret ein Arbeitgeber auf Fragen reagiert. Bei folgenden Punkten solltest Du als Bewerber aufhorchen:
1. Unklare Antworten zur Personalbesetzung
Beantwortet ein Arbeitgeber Fragen zur Besetzung der Station, zu offenen Stellen oder zur Arbeitsbelastung nur sehr allgemein, solltest Du aufmerksam werden. Denn Aussagen wie „Das ist überall schwierig“ oder „Wir schaffen das gemeinsam im Team“ klingen zwar positiv, liefern jedoch kaum konkrete Informationen. Ein seriöser Arbeitgeber kann erklären, wie die Personalbesetzung in seiner Einrichtung aussieht, wie das Team mit Krankenständen umgeht und welche Maßnahmen bei Personalengpässen vorgesehen sind.
2. Mangelnde Transparenz bei der Dienstplanung
Schwer planbare oder unregelmäßige Arbeitszeiten können die Arbeitszufriedenheit von Pflegekräften deutlich beeinflussen. Deshalb lohnt es sich, dieses Thema bereits im Bewerbungsgespräch anzusprechen. Können Führungskräfte keine konkreten Angaben zur Dienstplanung machen oder die Häufigkeit kurzfristiger Änderungen nicht einschätzen, kann das auf organisatorische Probleme hindeuten. Überstunden oder Einspringen sollten nicht als selbstverständlich dargestellt werden.
3. Keine Angabe zu Mindestgehalt in der Stellenanzeige
In österreichischen Stelleninseraten muss grundsätzlich nach § 9 Gleichbehandlungsgesetz angegeben werden, welches Mindestentgelt für die ausgeschriebene Position gilt. Die Grundlage kann beispielsweise ein Kollektivvertrag, ein Gesetz, eine Satzung oder ein Mindestlohntarif sein. Besteht tatsächlich die Bereitschaft zu einer Überzahlung, muss auch darauf hingewiesen werden. Bereits bekannte Zulagen sind ebenfalls anzugeben.
4. Kein strukturiertes Einarbeitungskonzept und fehlende Entwicklungsperspektiven
Neue Mitarbeiter benötigen Zeit, um Abläufe, Dokumentationssysteme und Teamstrukturen kennenzulernen. Wird auf Fragen zur Einarbeitung lediglich mit „Das ergibt sich dann“ geantwortet, solltest Du nachhaken. Ein gutes Einarbeitungskonzept zeigt, dass die Einrichtung langfristig denkt und neue Mitarbeiter nicht vom ersten Tag an alleinlassen möchte.
Dazu gehört auch, Bewerbern konkret aufzuzeigen, welche Entwicklungsmöglichkeiten, Fortbildungen oder Spezialisierungsmöglichkeiten diese Stelle mit sich bringt. Werden hierzu keine Aussagen gemacht, kann dies Deine berufliche Zufriedenheit auf langfristige Sicht beeinträchtigen.
5. Auf kritische Fragen folgen nur Floskeln
Arbeitgeber möchten sich im Bewerbungsprozess selbstverständlich positiv präsentieren. Dennoch sollten sie auch offen über Herausforderungen sprechen. Achte also darauf, ob Dein potentieller neuer Arbeitgeber auf kritische Fragen auch konkrete Antworten und Lösungswege nennt und nicht in allgemeinen Floskeln verfällt.
6. Druck bei Zusage oder Vertragsabschluss
Fordert ein Arbeitgeber bereits nach kurzer Zeit eine Zu- oder Absage ein oder drängt auf eine schnelle Vertragsunterzeichnung, lohnt sich ein genauer Blick. Schließlich ist ein Arbeitgeberwechsel eine wichtige Entscheidung, die ausreichend Bedenkzeit erfordert. Achte, bevor du mündlich oder schriftlich zusagst darauf, dass Entgelt, Einstufung, Arbeitszeit, Dienstort und Einsatzbereich geklärt und für Dich passend sind.
7. Hohe Fluktuation im Team
Ein oft übersehener Indikator ist die Fluktuation im Team. Verlassen viele Pflegekräfte die Einrichtung bereits nach kurzer Zeit, kann das auf strukturelle Probleme hinweisen. Die Frage, wie lange die meisten Pflegekräfte bereits in der Einrichtung oder auf der Station arbeiten, liefert oft wertvolle Hinweise auf Arbeitsbedingungen und Teamkultur. Achte hierbei besonders darauf, ob seitens des Arbeitgebers abwertende Aussagen über ehemalige Mitarbeiter oder andere Personengruppen gemacht werden.
Wichtig: Red Flags sind unterschiedlich schwerwiegend oder problematisch. Rechtlich problematisch sind eine fehlende Mindestentgeltangabe oder eine tatsächliche unbezahlte Probearbeit. Starke Warnsignale sind ein Druck zur sofortigen Unterschrift, widersprüchliche Angaben, oder die Abwertung ehemaliger Mitarbeiter. Nicht automatisch negativ sind hingegen keine umfangreichen Aufstiegsmöglichkeiten bei einer kleinen Einrichtung oder einzelne kurzfristige Dienstplanänderungen aufgrund echter Ausnahmesituationen.
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Diese Fragen solltest Du im Bewerbungsprozess stellen
Ein Bewerbungsprozess dient nicht nur dazu, dass Arbeitgeber Bewerber kennenlernen. Auch Du als Pflegekraft solltest die Gelegenheit nutzen, mehr über Arbeitsbedingungen, Teamkultur und Entwicklungsmöglichkeiten zu erfahren. Wer die eigenen Prioritäten kennt und sich vorab über die Einrichtung informiert, kann Arbeitgeber besser vergleichen und Fehlentscheidungen vermeiden. Besonders aufschlussreich sind Fragen zu folgenden Themen:
| Frage | Warum das wichtig ist |
| Wie viele Pflegekräfte arbeiten pro Schicht auf der Station? | Gibt Hinweise auf die tatsächliche Arbeitsbelastung. |
| Wie werden kurzfristige Ausfälle abgedeckt? | Unterscheidet planbare Vertretungsmodelle vom regelmäßigen Einspringen. |
| Wie viele Stellen im Team sind derzeit vakant? | Zeigt, ob Unterbesetzung strukturell oder vorübergehend ist. |
| Wer ist im Nacht- oder Wochenenddienst verantwortlich erreichbar? | Konkrete Ansprechpersonen im Berufsalltag erfahren. |
| Wie wird nach Gewalt, Übergriffen oder belastenden Ereignissen unterstützt? | Zeigt den Umgang mit psychischen und körperlichen Belastungen. |
| Wie ist die Einarbeitung organisiert? | Zeigt, wie neue Pflegekräfte eingearbeitet werden. |
| Wann werden Dienstpläne in der Regel veröffentlicht? | Wichtig für die persönliche Planbarkeit. |
| Wie oft müssen Pflegekräfte aus dem Frei einspringen? | Gibt Hinweise auf Personalmangel und Planbarkeit. |
| Welche Fort- und Weiterbildungen werden unterstützt? | Zeigt Karriereperspektiven und Wertschätzung. |
| Wie lange arbeiten die meisten Pflegekräfte im Team? | Kann Rückschlüsse auf Fluktuation und Zufriedenheit zulassen. |
Neben den Antworten zählt auch der Gesamteindruck: Werden Fragen offen beantwortet? Gibt es ausreichend Zeit für Rückfragen? Solche Details verraten oft viel über die spätere Zusammenarbeit.
Checkliste: So gelingt die Arbeitgeberprüfung
Wer als DGKP, Pflegefachassistenz, Pflegeassistenz oder in einem ähnlichen Beruf eine neue Stelle sucht, sollte den Bewerbungsprozess nutzen, um den Arbeitgeber besser kennenzulernen. Dabei helfen folgende Punkte:
- Eigene Prioritäten vorab festlegen (in Bezug auf Dienstplanung, Teamkultur, Weiterbildung)
- Website und Social-Media-Kanäle der Einrichtung prüfen
- Arbeitgeberbewertungen und Erfahrungsberichte recherchieren
- Gezielte Fragen für das Bewerbungsgespräch formulieren
- Auf den Umgangston und die Atmosphäre im Team achten
- Eindrücke direkt nach dem Gespräch notieren und mit anderen Arbeitgebern vergleichen
Wenn sowohl Du als auch Dein potenzieller neuer Arbeitgeber im Bewerbungsgespräch gegenseitig merkt, dass es passt, solltest Du vor einer Vertragsunterzeichnung aber unbedingt beachten, dass folgende Punkte geklärt wurden.
- Wurde der anwendbare Kollektivvertrag thematisiert?
- Wie hoch fällt das Grundgehalt aus?
- In welche Entgeltgruppe und Stufe werde ich eingruppiert?
- Welche Zulagen gelten für Nacht-, Sonn- und Feiertagsdienste?
- Was ist der konkrete Tätigkeits- und Verantwortungsbereich?
- Wie verhält es sich mit Befristung und Probezeit?
- Welche Bedingungen gelten für Änderungen von Schichtplänen?
Weitere Tipps rund um den Bewerbungsprozess in Österreich findest Du hier:
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Häufige Fragen zu Red Flags im Bewerbungsprozess
- Welche Fragen sollten Pflegekräfte im Vorstellungsgespräch stellen?
- Sind kritische Fragen im Bewerbungsgespräch erlaubt?
- Sollte ich eine unbezahlte Probearbeit annehmen?
- Wie erkenne ich einen guten Arbeitgeber in der Pflege?
Fragen zu Personalbesetzung, Einarbeitung, anwendbare Kollektivverträge, Mindestgehalt, Dienstplanung und Weiterbildung helfen dabei, die Arbeitsbedingungen besser einzuschätzen.
Ja. Kritische Fragen zu Arbeitsbelastung, Dienstplanung, Einarbeitung, Fortbildungen oder Entwicklungsmöglichkeiten zeigen auf, wie der Arbeitgeber auf welche Themen reagiert und wie klar und strukturiert die dortige Arbeitsweise ist.
Auswahlübungen können unbezahlt sein. Dementsprechend ist eine unbezahlte Übung im Bewerbungsprozess vertretbar. Sobald Bewerber tatsächlich Pflegeleistungen oder andere verwertbare Arbeit erbringen, muss diese – auch bei einem Schnuppertag – laut Arbeiterkammer Niederösterreich bezahlt werden.
Gute Arbeitgeber beantworten Fragen offen, bieten eine strukturierte Einarbeitung und informieren transparent über Arbeitsbedingungen.
- AK Vorarlberg, “5 Redflags im Bewerbungsgespräch – Warnsignale, auf die Du achten solltest”, https://vbg.arbeiterkammer.at/... (Abrufdatum: 11.08.2026)
- Zentrum für Management- und Personalberatung, “Toxische Arbeitskultur: So erkennen Sie die Red Flags schon vor der Bewerbung”, https://www.zfm-bonn.de/... (Abrufdatum: 11.08.2026)
- AMS, “Fachkräftebedarfe in Österreich”, https://forschungsnetzwerk.ams.at/... (Abrufdatum: 11.08.2026)
- Arbeitskammer Oberösterreich, Arbeitszeit und Änderung, https://ooe.arbeiterkammer.at/... (Abrufdatum: 11.08.2026)
