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Österreichs Gesundheitssystem steht vor großen Herausforderungen. Der steigende Pflegebedarf trifft auf einen angespannten Arbeitsmarkt und eine wachsende Versorgungslücke. Prognosen zeigen einen deutlichen Mehrbedarf an qualifizierten Pflegekräften bis 2050. Gleichzeitig setzen Politik und Einrichtungen verstärkt auf internationale Fachkräfte, um Stabilität und Qualität zu sichern. Neue Integrationsprogramme, gezielte Rekrutierung und erleichterte Anerkennungsverfahren prägen diese Entwicklung. Welche Rolle internationale Pflegekräfte dabei konkret spielen, zeigt der folgende Überblick.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Ziele: Sicherung der Pflegeversorgung und langfristige Personalbindung.
- Prognose: Bis 2050 werden jährlich rund 7.000 zusätzliche Pflege- und Betreuungskräfte benötigt.
- Maßnahmen: Attraktivierung der Ausbildung, internationale Rekrutierung, Deutschkurse und Anerkennungsförderung.
- Integration: Strukturierte Nostrifizierung, Mentoringprogramme und Onboardingprozesse.
- Chancen: Stabilisierung des Gesundheitssystems und Stärkung interkultureller Kompetenz.
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Fachkräftemangel in der Pflege
Österreich steht im Pflegebereich vor einem wachsenden Fachkräftemangel. Laut Pflegepersonal-Bedarfsprognose der Gesundheit Österreich GmbH, die im Auftrag des Sozialministeriums durchgeführt wurde, werden zwischen 2023 und 2030 rund 51.000 zusätzliche Pflege- und Betreuungskräfte benötigt. Bis 2050 steigt der jährliche Mehrbedarf auf durchschnittlich 7.000 Personen. Davon entfallen etwa 5.800 auf diplomierte Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegefachassistenten und Pflegeassistenten sowie rund 1.200 auf weitere Betreuungsberufe.
Gleichzeitig schwankt die Zahl der Absolventen. Im Jahr 2020 schlossen rund 4.800 Personen eine Pflegeausbildung ab, hinzu kamen etwa 950 Absolventen aus Sozialbetreuungsberufen. Diese Zahlen reichen jedoch nicht aus, um den langfristigen Bedarf zu decken. Gründe sind die alternde Bevölkerung sowie strukturelle Herausforderungen im Gesundheitssystem. Maßnahmen zur Ausbildungsattraktivierung, Personalbindung und internationale Rekrutierung gewinnen daher zunehmend an Bedeutung. Vor diesem Hintergrund rücken internationale Pflegekräfte stärker in den Fokus der Personalstrategie.
Internationale Pflegekräfte im Gesundheitswesen
Internationale Pflegekräfte spielen europaweit eine zentrale Rolle bei der Sicherung der Gesundheitsversorgung. Viele EU-Staaten stehen vor ähnlichen demografischen Herausforderungen. Eine alternde Bevölkerung erhöht den Pflegebedarf, während gleichzeitig weniger Nachwuchskräfte nachrücken. Zahlreiche Länder setzen daher verstärkt auf die Anwerbung qualifizierter Fachkräfte aus dem Ausland. Die Mobilität innerhalb der Europäischen Union erleichtert diesen Prozess zusätzlich. Parallel dazu fördern gezielte Programme die berufliche Integration und Anerkennung ausländischer Abschlüsse.
Auch in Österreich gewinnt diese Entwicklung zunehmend an Bedeutung. Der kontinuierlich steigende Personalbedarf macht internationale Fachkräfte zu einem wichtigen Bestandteil der Personalstrategie. Sie tragen dazu bei, Versorgungslücken in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen zu schließen, und bringen zusätzliche sprachliche sowie interkulturelle Kompetenzen mit, die in einem vielfältigen Patientenumfeld von Vorteil sind. Krankenhäuser profitieren von einer breiteren Personalbasis und einer höheren Flexibilität im Personaleinsatz.
Integration in den Pflegealltag
Damit internationale Pflegekräfte ihr Potenzial voll entfalten, sind klare rechtliche Verfahren und strukturierte Einarbeitungskonzepte entscheidend. Besonders die Anerkennung der Qualifikationen sowie die Integration im multiprofessionellen Team spielen eine zentrale Rolle.
Anerkennung und Nostrifizierung
Wer eine Pflegeausbildung im Ausland abgeschlossen hat und in Österreich arbeiten möchte, muss seine Qualifikation anerkennen lassen. Je nach Herkunftsland und Berufsabschluss gelten unterschiedliche Zuständigkeiten. Für die Nostrifizierung als diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger aus einem Drittstaat sind Fachhochschulen zuständig. Die Anerkennung als Pflegeassistenz oder Pflegefachassistenz erfolgt über das jeweilige Amt der Landesregierung.
Wurde die Ausbildung in einem EU-Mitgliedsstaat absolviert, ist das Gesundheitsministerium zuständig. Gleiches gilt für Personen aus Drittstaaten, deren Ausbildung bereits in einem EU-Land anerkannt wurde und die dort mindestens drei Jahre tätig waren. Informationsplattformen wie „Nursing in Austria“ begleiten diesen Prozess strukturiert.
Einarbeitung und Zusammenarbeit
Nach erfolgreicher Anerkennung beginnt die fachliche und soziale Integration im Arbeitsalltag. Viele Einrichtungen setzen auf strukturierte Einarbeitungsprogramme und Mentorenmodelle. Sprachförderung, klare Kommunikationsstrukturen und ein wertschätzendes Arbeitsumfeld unterstützen den nachhaltigen Berufseinstieg. Interkulturelle Zusammenarbeit stärkt zusätzlich die Teamdynamik und die Qualität der Patientenversorgung. So entsteht eine stabile Grundlage für langfristige Personalbindung und hohe Pflegequalität.
Arbeiten während des Anerkennungs- oder Nostrifizierungsverfahrens
Pflegekräfte mit einer im Ausland abgeschlossenen Ausbildung, die dem österreichischen gehobenen Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege entspricht, können bereits vor Abschluss der Nostrifizierung tätig werden. Voraussetzung ist ein Antrag beim zuständigen Amt der Landesregierung. Wird dieser gemäß § 34 GuKG bewilligt, ist eine Tätigkeit zu Fortbildungszwecken unter Anleitung und Aufsicht für bis zu ein Jahr möglich; eine Verlängerung um ein weiteres Jahr ist zulässig. In einzelnen Fällen kann eine Beschäftigung auch ohne gesonderte Bewilligung erfolgen, etwa wenn die Gleichwertigkeit grundsätzlich anerkannt wurde und nur einzelne Ergänzungen fehlen. Dann ist eine Eintragung in das Gesundheitsberuferegister als Pflegefachassistenz oder Pflegeassistenz möglich. Die Tätigkeit darf innerhalb von zwei Jahren ab Erlassung des Nostrifikationsbescheids ausgeübt werden, sofern alle weiteren Voraussetzungen erfüllt sind.
Chancen für das Gesundheitssystem
Internationale Pflegekräfte stärken das österreichische Gesundheitssystem auf mehreren Ebenen. Sie reduzieren gezielt personelle Engpässe in Krankenhäusern, Pflegeheimen und mobilen Diensten und sichern damit die Versorgungsqualität. Gleichzeitig erhöhen sie die strukturelle Flexibilität von Einrichtungen, da offene Stellen schneller besetzt werden können. Das verbessert Dienstplanung und Ausfallsicherheit.
Darüber hinaus bringen internationale Fachkräfte zusätzliche Sprachkenntnisse und interkulturelle Kompetenzen ein, was in einem zunehmend diversen Patientenumfeld von Vorteil ist.
Auch volkswirtschaftlich entstehen positive Effekte. Eine stabile Pflegeversorgung stärkt die Funktionsfähigkeit des gesamten Gesundheitssystems.
Programme zur gezielten Anwerbung und Integration, wie sie unter anderem durch Initiativen im Umfeld von Work in Austria unterstützt werden, schaffen transparente Zugangswege zum österreichischen Arbeitsmarkt und fördern die langfristige Personalbindung.
Internationale Pflegekräfte entwickeln sich damit zu einem strategischen Faktor für Qualität, Stabilität und Zukunftssicherung im Gesundheitswesen.
Fazit
Internationale Pflegekräfte gewinnen im österreichischen Gesundheitswesen zunehmend an strategischer Bedeutung. Angesichts des prognostizierten Mehrbedarfs an tausenden Pflegepersonen pro Jahr wurden bereits konkrete Maßnahmen gesetzt. Das Integrationsservice für Fachkräfte des Österreichischen Integrationsfonds startete in sechs Bundesländern spezialisierte Deutschkurse für Pflegekräfte aus dem Ausland. Gleichzeitig erweitert es die Fördermöglichkeiten zur Anerkennung ausländischer Abschlüsse und refundiert Studienbeiträge im Rahmen der Nostrifizierung.
Auch im Recruiting entstehen neue Strukturen. Die Agentur „Talent & Care“ sowie der Fonds Soziales Wien präsentierten gezielte Anwerbeprogramme in Lateinamerika und Asien. Die Salzburger Landeskliniken etablierten professionelle Begleitprogramme für Integrations- und Onboardingprozesse. SeneCura setzt auf Maßnahmen zur nachhaltigen Personalbindung. Zudem berichtete die Austrian Business Agency über Fortschritte bei der internationalen Rekrutierung. Diese Initiativen zeigen, dass Österreich aktiv handelt. Internationale Pflegekräfte bleiben daher ein zentraler Baustein für die langfristige Sicherung der Pflegeversorgung.
Häufige Fragen
- Warum werden internationale Pflegekräfte immer wichtiger?
- Wie hoch ist der zukünftige Personalbedarf in Österreich?
- Was ist für die Anerkennung einer ausländischen Pflegeausbildung erforderlich?
- Welche Maßnahmen unterstützen die Integration internationaler Pflegekräfte?
Der Pflegebedarf steigt kontinuierlich, während die Zahl der inländischen Absolventen nicht ausreicht, um alle offenen Stellen zu besetzen. Internationale Fachkräfte helfen, Versorgungslücken gezielt zu schließen.
Bis 2050 werden jährlich rund 7.000 zusätzliche Pflege- und Betreuungskräfte benötigt. Der strukturelle Mehrbedarf bleibt damit dauerhaft hoch.
Voraussetzung ist eine offizielle Anerkennung bzw. Nostrifizierung durch die zuständigen Behörden. Je nach Herkunftsland und Berufsabschluss gelten unterschiedliche Verfahren und Zuständigkeiten.
Spezialisierte Deutschkurse, finanzielle Förderungen für Anerkennungsverfahren sowie strukturierte Onboardingprogramme erleichtern den Berufseinstieg. Mentoringmodelle stärken zudem die Teamintegration.
- Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, „Pflegepersonal in Österreich“, https://www.sozialministerium.gv.at/Themen/Pflege/Pflegepersonal.html (letzter Zugriff am 12.02.2026).
- HRM Austria, „Internationale Pflegekräfte in Österreich: Vorteile für Krankenhäuser“, https://www.hrmedaustria.at/de/news/internationale-pflegekraefte-in-oesterreich-vorteile-fuer-krankenhaeuser (letzter Zugriff am 12.02.2026).
- Österreichischer Integrationsfonds, „Integration von ausländischen Fachkräften: ÖIF lud zu 4. Expert:innen-Forum in Wien“, https://www.integrationsfonds.at/newsbeitrag/integration-von-auslaendischen-fachkraeften-oeif-lud-zu-4-expert-innen-forum-in-wien-1-20915/ (letzter Zugriff am 12.02.2026).
- Work in Austria, „Als Pflegekraft nach Österreich“, https://www.workinaustria.com/blog/als-pflegekraft-nach-oesterreich/ (letzter Zugriff am 12.02.2026).


